Porträt eines Mannes mit grauem Haar, runden Brillen, weißem Hemd und grauem Pullover vor einem Busch mit grünen und gelben Blättern.

Johannes D. Kaminski

Literaturwissenschaftler mit Fokus auf deutsch-, englisch- und chinesischsprachige Erzähltraditionen. Expertise für globale Zukunftsliteratur, Goethezeit und Horror.

Senior Researcher und Team Leader am Institut für Weltliteratur, Slowakische Akademie der Wissenschaften

Ausgewählte Publikationen

Mehrere Zeitschriften mit dem Titel "World Literature Studies" liegen auf einem Holztisch, Titelblätter sind sichtbar, mit einer orangefarbenen Linie und Titelschrift.

Neuerscheinung

World Literature Studies 16.4, Special issue “Fictional Realities of Eternal Peace”, hrsg. von J. Kaminski

Es heißt, dass Kriege im Widerspruch zu den Werten der liberalen Demokratien stehen. Es gibt jedoch Konstellationen, in denen Frieden illiberale Züge trägt, etwa in seiner unwürdigen Variante: wenn er das Resultat einer politischen Unterwerfung ist. Diese Sonderausgabe untersucht diesen Themenkomplex mit Beiträgen aus den folgenden Feldern: Germanistik, Skandinavistik, Amerikanistik und Sinologie.

Beiträger: ALEXIS SHOTWELL, KILIAN JÖRG,  JOHANNES D. KAMINSKI, GABRIEL F. Y. TSANG, MICHAEL KA-CHI CHEUK, CATHERINE MACMILLAN, ANTON MATEJICKA, MAGDALENA MÜHLBÖCK und ADAM ŠKROVAN

Buchcover des Titels 'Dreams in Chinese Fiction' von Johannes D. Kaminski, mit dem Untertitel 'Spiritism, Aestheticism, and Nationalism', veröffentlicht bei Routledge Focus.

Neuerscheinung

Dreams in Chinese Fiction: Spirtism, Aestheticism and Nationalism (Routledge 2024)

Dieses Buch betrachtet die zeitgenössische politische Formel des „chinesischen Traums“ im Zeichen der chinesischen Literaturgeschichte seit der Antike. Literarische und philosophische Texte dokumentieren ein umfangreiches Spektrum an Traummöglichkeiten, angefangen bei Zhuangzis Schmetterlingstraum über die klassischen Traumerzählungen der Qing-Zeit bis hin zur Freud-Rezeption in der Moderne. Träume versprechen spirituelle Erleuchtung, oftmals nur um den Träumenden in einem Zustand völliger Verwirrung zurückzulassen. In diesem Zusammenhang taucht der kollektive nationale Traum als unerwartetes Vehikel der Politik auf: als letzte Hoffnung des geschundenen Individuums auf Erlösung.

Buchpräsentation im Goethe Institut Bratislava, 22. April 2024

Adam Bzoch wollte wissen, weshalb es 2024 notwendig ist, ein neues Buch über den sattsam bekannten Werther zu lesen.

Zwei männliche Personen im Gespräch bei einer Veranstaltung des Goethe Instituts, mit Büchern auf Tischen, im Hintergrund eine Projektionswand mit Portraits berühmter Persönlichkeiten.
Ein Mann sitzt auf einem Stuhl bei einer Buchpräsentation, hält ein Mikrofon, im Hintergrund sind Bücherregale. Auf einem Tisch stehen Bücher, die Titel 'LIVES AND DEATHS OF WERTHER' tragen. Rechts sind zwei Tische mit T-Shirts oder Stoffen, die das Goethe-Institut-Logo haben.

Neue Buchpublikation:

Lives and Deaths of Werther: Interpretation, Translation and Adaptation in Europe and East Asia. Oxford University Press, 2023

Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werther, erstmals 1774 veröffentlicht, gehört nicht länger seinem Autor, sondern seinen Lesern. Während das Buch im deutschen Kontext stets von seinem berühmten Autor überstrahlt wurde, der sich im Rückblick eher abwertend über dessen Genese und Krankhaftigkeit ausgelassen hat, veranschaulicht die globale Rezeption von Werther die Offenheit des Textes. Im Italien der 1790er sowie im China der 1920er sahen patriotische Schriftsteller ihr Leiden an einer unzureichenden Gegenwart gespiegelt. Die französischen Romantiker nutzten indessen Werthers ausdrucksstarke Sprache, um die dunklen Ecken der Psyche zu erkunden. Ähnliches geschah in Japan, wo sich die Modernisten auf den Text beriefen, um zu zeigen, dass “der schönste Moment des Lebens - nämlich die Liebe - in der in der Nähe des Todes" angesiedelt ist. In dieser Studie untersuche ich, wie Interpretationen, Übersetzungen und Bearbeitungen den Text in einer Weise manipulierten, die tiefe Spuren in der Weltliteratur hinterließ.

Ein Mann in einem Militäruniform und eine Frau in einem weißen Kleid lesen gemeinsam ein Buch an einem offenen Fenster, bei Tageslicht, mit grünen Bäumen im Hintergrund.

“Werther und Lotte im chinesischen Bürgerkrieg, ca. 1920” (Bild erzeugt von Midjourney)